Der traditionelle Anbau

Ein eindrückliches Beispiel hierfür sind die Reis-Terrassen im Süden Chinas und im Norden der Philippinen. Zum Teil schon vor mehr als zweitausend Jahren angelegt, sind sie Zeugen einer Landschaftsarchitektur, die zu den schönsten kulturellen Leistungen der Bauernvölker dieser Welt zählen. Die Reis-Terrassen zeigen auch, welche Genialität der Mensch entwickeln kann, wenn es um eines seiner Grundbedürfnisse geht: die Nahrungsgewinnung und ihre langfristige Sicherstellung.

Unentbehrlich für Reis: die Wasserzufuhr

Von den Höhen der Reis-Terrassen hinab zu den Reisfeldern oder in grossen flachen Ebenen, eines bleibt ihnen allen gemeinsam: Sie sichern mit ihren sorgfältig gepflegten, 40-60 cm hohen Dämmen den lebenswichtigen Wasserstand von ca. 10 cm, den der Reis für sein gutes Gedeihen benötigt – von der Aussaat bis zur Ernte. Nicht von ungefähr entstanden also die Bezeichnungen Bewässerungsreis oder Wasserreis.

Die Wasserzufuhr spielt eine wichtige Rolle und gestaltet sich, je nach örtlicher Gegebenheit, immer wieder anders. Da wird zum Beispiel Regenwasser in höher gelegenen Feldern gesammelt, Flutwasser mit Dämmen zurückgehalten oder Wasser mittels Strombrechern von Flüssen abgeleitet. Oft muss es auch von weit her in Kanälen, Tunnels oder über Aquädukte in die Felder geführt werden. Neben vielen verschiedenen, zum Teil ausgeklügelten Systemen wird das Wasser mancherorts auch ganz einfach mit Eimern aus Flüssen, Seen oder Reservoirs geschöpft und in die Felder geleert.

Volle Kraft voraus: Das Pflügen mit dem Wasserbüffel

Der traditionelle Anbau zeigt auch heute noch die uralten Bilder von Wasserbüffeln auf den Feldern, angetrieben von Bauern, den Pflug durch den zähen Schlamm ziehend. Dabei werden auch Pflanzenreste sowie anfallender Rinderdung untergepflügt: Eine für Mensch und Tier mühsame und kräfteraubende Arbeit. Die aufgeworfenen Erdschollen werden mit Eggen sorgfältig zerkleinert, denn je gleichkörniger die Erde, umso gleichmässiger wird die Saat aufgehen. Anschliessend wir das Feld ausgeebnet. Deiche werden auf Schäden untersucht und von Unkraut befreit. Hungrige Enten vertilgen dabei fleissig allerlei Raupen und Larven von Reisschädlingen.

Gute Setzlinge sind die halbe Ernte

Während dieser Vorbereitungsarbeiten keimen in speziellen Saatbeeten die Jungpflanzen heran. Das Saatgut besteht aus erstklassigen Körnern, ausgesucht von Frauen, die vor der Haupternte die Felder durchstreifen und hierfür die grössten und gesündesten Rispen abschneiden. In welcher Form auch immer die Aussaat vorgenommen wird, die Muttersaat muss in sauberem Wasser vorquellen oder sogar leicht ankeimen. Sind die Jungpflanzen zur geeigneten Grösse herangewachsen, werden sie behutsam aus dem Boden gezogen und in Abständen von 20 cm in die überfluteten Felder umgepflanzt.

Nach fünf bis sechs Monaten ist der Reis goldgelb und erntereif. Drei Wochen vor Erntebeginn wird das Wasser abgelassen. Mit Sicheln werden die goldgelben Rispen geschnitten und anschliessend lose oder gebündelt an der Sonne getrocknet. Beim Dreschen werden die Rispen auf den Boden oder über Holzgestelle geschlagen. Danach werden die gewonnenen Körner "geworfelt", das heisst mit flachen Körben in die Luft geworfen – dabei wird die leichte Spreu vom Wind davongetragen. Doch auch diese biblischen Bilder haben nicht mehr lange Gültigkeit, denn immer mehr Arbeitsgänge werden auch da von Maschinen erledigt.